GenMjr Dieter HEIDECKER
stvKdt SK

Rede zur Überleitung HFMR – FüUB 2

ST. JOHANN/Pg 14. März 2008



Es ist mir eine grosse Freude den ST. JOHANNer Fernmeldern heute aus Anlass der Überleitungsfeier die kameradschaftlichen Grüsse der österreichischen Streitkräfte überbringen zu dürfen.

Der Schutz der Bevölkerung, die Aufrechterhaltung der staatlichen Souveränität einerseits und die Mitwirkung an friedensunterstützenden und friedensschaffenden Einsätzen im Ausland andererseits sind gleichbedeutende und gleichwertige Kernaufgaben des Bundesheeres.

Damit erhöht sich für den Zeit- und Berufssoldaten, in der Folge aber auch für den Soldaten der neuen Miliz die Wahrscheinlichkeit, zu militärischen Einsätzen herangezogen zu werden.

Dies stellt natürlich neue Voraussetzungen an das Selbstverständnis des Soldaten, an die Ausbildung und Menschenführung, an Motivation und Gestaltung des militärischen Alltags.
Das uns allen vertraute Motto: „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen“ gilt in dieser Bedeutung nicht mehr, es geht nämlich jetzt und in Zukunft darum, im In- und Ausland Menschen aus Not und Gefahr zu helfen, zerstörte Länder wieder aufzubauen und Friedensstörer in die Schranken zu weisen.
Dabei ist die Bedrohung für Gesundheit und Leben der in militärischen Operationen eingesetzten Soldaten allgegenwärtig: terroristische Angriffe, gewalttätige Massendemonstrationen, Minen und Sprengfallen und natürlich die klassische militärische Bedrohung.
Auch humanitäre Hilfe kann lebensgefährlich sein: abgesehen von den schon angeführten Bedrohungen können Selbstverteidigung und erzwungene Nothilfe sehr rasch in offenen Kampf übergehen.
Und dies alles, während Familien und Freunde im tiefsten Frieden und weit ab von den Geschehnissen gemütlich zu Hause sitzen: es besteht die Gefahr, dass Staatsbürger in Zivil und Staatsbürger in Uniform nicht mehr die gleiche Sprache sprechen und am gleichen Strick ziehen: der gesicherten Verbindung zu unseren Kontingenten und der Kommunikation zwischen Einsatzraum und Heimatgarnison kommt genau so grosse Bedeutung zu, wie der ideologie-freien Information der Bevölkerung über sicherheitspolitische Zusammenhänge, Entwicklungen und Notwendigkeiten.

Natürlich hat auch ein Kleinstaat strategische Interessen, die weit über die eigenen Grenzen hinausgehen – ist es doch besser, Konflikte frühzeitig dort einzudämmen und zu bekämpfen, wo sie entstehen, als zu warten, bis diese Konflikt oder deren Auswirkungen das eigene Land überschwappen und seine Bevölkerung treffen.

Dieser Weg von einer Ausbildungs- und Mobilmachungsarmee hin zu einer Einsatzarmee erfordert zuvor das Schaffen der legistischen und finanziellen Rahmenbedingungen: die Soldaten eines der reichsten Staaten Europas haben ein Recht auf eine effiziente Organisation und einsatzbezogene Ausbildung, auf modernste und optimale Bekleidung, Schutz- und Einsatzausrüstung, auf geschützte Transportmittel und auf interoperable Führungsmittel, kurz auf eine Ausstattung, die eine Einsatzerfüllung im europäischen Rahmen und Vergleich sicherstellt.

Und eines steht fest: Soldaten, die für den militärischen Einsatz ausgebildet und ausgerüstet sind, können auch in allen Assistenzen und Katastrophenfällen eingesetzt werden, Soldaten jedoch, die nur für Kasernendienst und Hilfstätigkeiten ausgebildet sind, könne in keinem militärischen Einsatz bestehen.

„Der Einsatz muss den Alltag im Bundesheer bestimmen, alles, was nicht dem Einsatz dient, hat nachrangig zu sein.“
Knappe Ressourcen – und mittlerweile gehört auch der volltaugliche Wehrpflichtige schon zu den knappen Ressourcen – zwingen zu einer entsprechenden sparsamen, aber effizienten Planung und Organisation: daher sind die für das Einsatzspektrum nicht mehr erforderliche Organisationselement unter Umschichtung des Personals zu Gunsten der Kampftruppe aufzulösen, spezielle Fähigkeiten und Kompetenzen sind zu konzentrieren, nicht mehr benötigte Infrastruktur ist zu Gunsten einer Anschubsfinanzierung der Transformation des Bundesheeres zu veräussern – auch wenn wir hierbei – und sei es nur territorial – von liebgewordenen Einrichtungen Abschied nehmen müssen.

Vereinfacht gesagt: „Wo Bundesheer draufsteht, muss auch Bundesheer drin sein – und zwar ein einsatzbereites Bundesheer!“

Grundlage für ein schnelles, präzises und zielgerichtete Handeln in allen Einsatzspektren des österreichischen Bundesheeres ist die Qualität der Führungsfähigkeit.
Im Kern geht es dabei um nichts weniger, als die Fähigkeit, schneller zu wissen, schneller zu verstehen und diese bewertete Information schneller in die eigene Operationsführung umzusetzen. Im Zeitalter der Informationstechnik ist die digitale Verlinkung von Sensoren, Informationssystemen und Effektoren dafür die entscheidende Voraussetzung. Die Modernisierung der Fernmeldeorganisation und -infrastruktur ist daher ein wesentliches Reformziel des Bundesheeres 2010, das mit allen Konsequenzen verfolgt werden muss und auch verfolgt wird!
Die ST. JOHANNer Fernmelder stellen einen der zwei Führungsunterstützungsverbände der österreichischen Streitkräfte: sie haben die zur Auftragserfüllung im In- und Ausland notwendigen Verbindungen sicherzustellen und haben sich daher einer technisch, intellektuellen und körperlich fordernden und konsequenten Ausbildung zu unterziehen. Die Einsatzverfahren sind in Zusammenarbeit mit den Teilstreitkräften und vermehrt im bi- und multinationalen Rahmen zu entwickeln, zu trainieren und zu evaluieren und ständig zu optimieren.

So nehmen Angehörige dieses Verbandes seit Jahren erfolgreich an der grössten Interoperabilitätsübung Europas teil, im Schnitte sind 25 Soldaten pro Jahr im längerdauernden Auslandseinsatz und die bilaterale Zusammenarbeit mit UNGARN, DEUTSCHLAND und SCHWEDEN beweist eine hervorragende Kompatibilität und Interoperabilität.
Der österreichische Soldat ist ein „Bürger in Uniform“ und wird es – trotz mancher Diskussionen und Wortmeldungen - auf Grund der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der allgemeinen Wehrpflicht und des Milizsystems für die Erfüllung der vielfältigen, verfassungsmässigen In- und Auslandsaufgaben des Bundesheeres noch lange bleiben. Besonders wichtig ist daher der Rückhalt, den ein Soldat in der Gesellschaft findet. Ein Ausdruck für diesen Rückhalt sind die vielen Partnerschaften zwischen unseren Verbänden und zivilen Einrichtungen, z. B.: Unternehmen, Organisationen und Kommunen.
Und hier sei gerade am heutigen Tag die beispielhafte Zusammenarbeit zwischen der Region PONGAU, dem Land SALZBURG und dem FüUB 2 hervorgehoben. Die Kontakte zu Einsatzorganisationen, und Verwaltung sind hervorragend, gut eingespielt und in vielen Herausforderungen bewährt.

So hat das Führungsunterstützungsbataillon 2 durch seine bekannt gediegene Ausbildung und im Rahmen der Transformation durch Zulauf neuen Gerätes und Anpassung der Organisation die fachliche Qualität, durch sein Kader, die Integration in der Bevölkerung und seinen Korpsgeist aber auch die menschlichen Qualitäten, alle Aufgaben im Rahmen friedenserhaltender und friedensschaffender Missionen im Ausland sowie alle Aufträge zum Schutz der österreichischen Bevölkerung und im Rahmen der Katastrophenhilfe im Inland erfolgreich zu erfüllen.

Hiezu viel Soldatenglück

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Bilder Überleitung Bilder LHF in der Kaserne